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Als ich vor 8 Jahren bei meinem ersten Rennen unfreiwillig die Strecke verließ und
mich überschlug, da hätte ich nicht gedacht, daß mich das Hornerfahren mal so
begeistern würde. Anstatt frustriert aufzuhöhren, haben wir weitergemacht und schnell
Spaß am Hornerfahren bekommen, das für mich in vielerlei Hinsicht die ideale Sport- und
Freizeitgestaltung darstellt. Diese Begeisterung und Informationen rund um das
Hornerschlittenfahren möchte ich hiermit weitergeben.
In der Bevölkerung gelten die Hornschlittenfahrer immer noch als
"Halbwahnsinnige" und werden belächelt, was ich erst kürzlich auf einer
Sportlerehrung erfahren mußte. In Wirklichkeit ist es ein ernstzunehmender Sport, der
sich in den letzten Jahren stark in die professionelle Richtung entwickelt hat, wie ein
Pressetext vom 20. Januar 1997 zeigt:
'Die Idylle ist gewichen, was zurück bleibt, ist Spitzensport' von Mathias
Kunfermann, Thusis
Was vor einigen Jahren recht harmlos angefangen hat, ist heute zu einem Spitzensport
herangewachsen; unerbittlich wird trainiert, in jeder freien Minute an der Ausrüstung
herumgefeilt und auf der Rennstrecke um Hundertstel Sekunden gekämpft. Vor nicht langer
Zeit wurde das Hornschlittenfahren als Spleen von Abenteurern und Lebensmüden angesehen
und belächelt. Doch in Tat und Wahrheit ist es ein professioneller und durchorganisierter
Sport mit Alpencupmeisterschaften, Bündner Trophy und Europameisterschaften.
1. Geschichte
Früher mußte man im gesamten Alpenraum das im Sommer gemähte Heu sowie Brennholz mit
sogenannten Hornschlitten ins Tal bringen. Auch ganze Baumstämme oder Milchkannen wurden
damit transportiert. Das war eine sehr harte und gefähliche Arbeit und nur ein
"buiener Siach" (starker und geübter Fahrer) konnte diese Ladung heil ins Tal
hinunterbringen.
 
Durch die Weiterentwicklung von Land- und Forstwirtschaft wurden diese Schlitten immer
weniger benötigt. Sie lagerten in Dachböden oder hingen an Hauswänden unter den
Dächern von Hauswänden. Dies änderte sich, als einige Burschen aus
Garmisch-Partenkirchen damit begannen, aus reiner Gaudi mit Hornschlitten von der Alm ins
Tal zu fahren. Im Rahmen einer Wette führte man dann am 06.Januar 1970 bei Nacht ein
Rennen durch, um herauszufinden, wer der beste Nachthornschlittenfahrer ist. Die Strecke
wurde für die 7 Schlitten beleuchtet, und mit einem Gewehr wurde der Startschuß
gefeuert. Das Rennen kam so gut an, daß man beschloß, jedes Jahr das Rennen zu
wiederholen. Beim nächsten Rennen, das bei Tag stattfand, waren es 13 Schlitten, ein Jahr
darauf schon 37 Schlitten und 4000! Zuschauer. Das Interesse wuchs rasend schnell. Beim
Rennen 1975 waren fast 8000 Zuschauer anwesend. Bei diesem Rennen fuhr auch Dr. Rainer
Barzel (späterer Bundestagspräsident) mit. Auch in Gaisach bei Bad Tölz fanden schon
sehr früh Rennen statt. Aufgrund einer Wette von 1928 stürzten sich 40 Hornerschlitten
(Schnabler ) ohne Bremsen mit 2 Mann Besatzung auf der 1,5 km langen Strecke ins Tal. Mit
Riesensprüngen (Rekord liegt bei 29,5 m) begeistern Sie die Zuschauer. Allerdings dürfen
bei diesem Rennen nur Einheimische mitmachen. Bald kam dieser Sport ins Allgäu nach
Pfronten (mit ca. 250 Schlitten das größte Rennen), Wertach, Gestratz, 1983 nach Siggen
und 1985 nach Wengen. Der sportliche Ehrgeiz wurde immer größer und so begann man, die
alten originalen Schlitten durch selber gefertigte zu ersetzen. Auch die Ausrüstung wurde
von Jahr zu Jahr verbessert, die Kufen wurden gewachst und Schutzhelme oder
Schutzprotektoren wurden getragen. Aus dem anfänglichen Allgäu-Pokal (Wertung der
Rennen: Wertach, Wengen, Gunzesried, Siggen und später Sulzberg) entwickelte sich der
Internationale Allgäu-Cup. Ähnliche Entwicklungen gab es in Österreich, im Schwarzwald
(hier heißen die Schlitten Schnabler) und in Südtirol. Mit viel Idealismus, technischem
Wissen, Energie und Sportsgeist haben die Mitglieder der Hornschlittenclubs des
Alpenraumes an der Weiterentwicklung und am Renommee einer neuen Sportart gearbeitet. So
wurde im Jahre 1985 das Hornschlittenfahren in die FIL (Internationaler Rennrodelverband
mit IRO= Internationale Rodelordnung) aufgenommen, und 1995 fand erstmals eine
Hornschlitten Europameisterschaft in Telfs (bzw. auch in Mösern) statt
2. Der Hornerschlitten
2.1 Beschreibung und Aufbau
Der Name Horn-, Horner- oder Hörnerschlitten (auch Schallenger oder Schnabler) rührt
von den 2 hörnerförmigen Kufenenden her. Sie sind zum Teil sehr lang und stark gebogen
und bilden das Markenzeichen eines solchen Schlittens. Sie wurden praktischerweise früher
zum festhalten gebraucht, da der Schlitten keine richtige Sitzbank besaß und man im
Stehen fuhr. Der hier mitgebrachte Hornerschlitten ist mein eigener. Ich habe ihn vor 6
Jahren für 750 DM (inkl. Kufen) gekauft. Im Laufe der Jahre sind einige Veränderung am
Schlitten vorgenommen worden oder gebrochene Holzteile erneuert worden, sodaß es nur noch
wenige originale Teile am Schlitten gibt (z. B. wurde die Sitzbank erhöht, die Holme
gebogen, Füße ersetzt...). Mit ihm bestritt ich bis jetzt ca. 55 Rennen, etliche
Trainingsfahrten und bin auch bestimmt schon 10 Mal gestürzt. Dieser Hornschlitten
entspricht den Hittisauer Bestimmungen und ist für 2 Mann vorgesehen. Er ist ca. 45 kg
schwer, 2,17 m lang, 1,13 m breit und 0,83 m hoch. Die Kufen sind 4 cm breit und haben
einen Winkel von ca. 6° (das entspricht einem Sturz von 10% der Kufenbreite) zur
Waagrechten (erlaubt sind max. 6,34°). Sie sind an der Innenseite im Bereich der
Lauffläche sehr scharf , außen und im übrigen Bereich etwas stumpfer, da beim
Kurvenfahren sich die Innenseite der Kufe ins Eis schneidet. Außerdem ließen wir eine
geringfügige (erlaubte) Struktur in die Lauffläche einschleifen. Der Schlitten besteht
aus Eschenholz, das astfrei ist und sich nicht so leicht verzieht. Auch Ahorn- oder
Eichenholz wird verwendet. Die Kufen und Querverbindungen bestehen aus mehreren
Holzschichten, die verleimt und gebogen wurden. Die Sitzbank wurde mit einer relativ
harten Polsterung bedeckt.
2.2 Tuning und Pflege
Der Hornschlitten wird vor jeder Saison gründlich durchgecheckt und überholt. Die
Schrauben werden nachgezogen, der Sturz überprüft ggf. nachgestellt, gespaltene
Holzteile werden ausgewechselt und neue Ideen oder Verbesserungen werden umgesetzt. Diese
Änderungen werden dann in Testfahrten vor dem ersten Rennen geprüft. Die Vorbereitung
für ein Rennen erfolgt am Vortag bzw. am Morgen des Renntages. Die Kufen werden mit einem
Bandschleifer blank geschliffen, und die Innenseite der Kufen werden mit einem im Winkel
einstellbaren Kantenschleifer, den man auch für Skier verwendet, haarscharf geschliffen.
Danach werden die Kufen mit einem Bügeleisen aufgewärmt (gute Handwärme). Dann läßt
man das ausgewählte Wachs (wir verwenden Bereichswachse: eins für pos. Temp (>0 Grad)
und eins für niedrige Temp. (<0 Grad)) auf die Kufen tropfen, das anschließend mit
dem Bügeleisen schön gleichmäßig verteilt wird. Nachdem das Wachs erkaltet ist, zieht
man die Kufen und Kanten mit einer Abziehklinge ab. Abschließend werden noch
Kufenschützer (aufgeschnittenes Plastikrohr mit Isolierung) aufgebracht. Neben der
Warmwachsmethode kann man die Kufen auch mit Tuben- oder Flüssigwachs präparieren: Wachs
auftragen, 5 10 Minuten einwirken lassen und gründlich mit einem Stofflappen
polieren. Das ist die praktischere Methode, da man auch noch kurz vor dem Start (oder bei
einem zweiten Durchgang) die Kufen wachsen kann. Alle paar Jahre wird der Schlitten
vollständig abgeschliffen und neu lackiert.
3. Arten von Hornschlitten und deren Bestimmungen
Es gibt regional bedingt sehr viele unterschiedliche Hornschlittenarten und deren
entsprechende Regeln und Bestimmung. Darüberhinaus gibt es aber auch offizielle
internationale Regelwerke. Verbreitungsbereich der Hornerrennen:

- Die bekannteste ist die IRO (Internationale Rodelordnung) vom Internationalen
Rennrodelverband (FIL), das im Jahre 1985 für Hornschlitten erweitert wurde. Die Rennen
nach deren Bestimmungen sind die Alpencuprennen, Europameisterschaften und Bündner
Trophy.
- Die Hittisauer Bestimmungen vom Jahre 1985 gelten für Hornerschlitten mit 2 Mann
Besatzung. Die Rennen nach deren Bestimmungen finden vorwiegend im Allgäu
(Internationaler Allgäu-Cup) und in Vorarlberg (Österreich) statt.
Desweiteren haben unter anderem folgende Hornschlittenrennen eigene
Teilnahmebestimmungen:
- Bayerische Meisterschaften im 4-er-Hornschlittenfahren (Hornschlittenverein
Partenkirchen).
- Herzogenhorn-Hörnle-Marathon im Hornschlittenrennen (SV Menzenschwand).
- Schallenger-Rennen in Pfronten.
Zusammenfassend ist festzustellen, daß es sehr viele unterschiedliche
Hornschlittenbauweisen und Bestimmungen gibt: zum Beispiel:
Es gibt Hornschlittenrennen für 2 (z.B. Allgäu-Cup), 3 (Hornschlitten: Klasse
Rennschlitten) und für 4 (z.B. Bayr. Meisterschaft in Garmisch-Partenkirchen) Mann
Besatzung, es gibt Schlitten mit und ohne Bremsen/Scharen, mit und ohne Anschubhilfen
(Kipfe), unterschiedliche Kufenmaterialien (Holz, Kunststoff, Eisen...) unterschiedliche
Kufenneigungen/Sturz und andere Abweichungen. Wichtig ist jedoch, daß der Schlitten in
seinen wesentlichen Bestandteilen aus Holz sein muß und generell als Hornschlitten
erkennbar ist (Einzelheiten in den Anlagen und unter Punkt 4: Einteilung des Hornersports).

4. Einteilung des Hornersports (subjektiv)
4.1. Gaudirennen
Von den ursprünglich durchgeführten Gaudirennen haben nur noch wenige Veranstalter
diesen ´Gaudicharakter` beibehalten. Die bekanntesten Rennen sind Garmisch-Partenkirchen,
Pfronten und Gaisach. Auffällig ist, daß gerade diese Rennen den größten
Zuschauerzufluß, die größte Teilnehmerzahl und das größte Medieninteresse genießen.
So starten z. B. in Pfronten regelmäßig ca. 250 Hornerschlittenmanschaften. Bei der
Bayrischen Meisterschaft in Garmisch-Partenkirchen, das weithin als größtes
Hornerspektakel bekannt ist, sind bis zu 10000 Zuschauer entlang der Piste und auch
verschiedene Fernsehsender anwesend. Zusätzlich ist aus Sicht des Hornerfahrers
auffällig, daß viele Teilnehmer dieser Rennen nur einmal im Jahr, eben auf diesem
Rennen, fahren, obwohl diese Rennen als die schwierigsten Strecken gelten. Der Spaß steht
bei diesen Rennen im Vordergrund, obwohl auch hier ehrgeizig um hundertstel Sekunden und
Plazierungen gekämpft wird. Die Zuschauer bekommen hier viele Stürze, originale
Schlitten (auch als Sonderschlitten mit Heu und Holz beladen) und ´buiene Burschen` in
Ledertracht zu sehen. Die Hornermannschaften haben oft originelle Namen wie
Schützenwaldwiesele, die Glorreichen oder Bayrisch-Preisischer-Jodelwahnsinn.
4.2. Hobbyrennen
Hier starten vonehmlich (über 90%) Hornermannschaften, die in Clubs oder Vereinen
organisiert sind. Rennen des Internationalen Allgäu-Cups sind typische Vertreter. Die
Leistungsdichte ist relativ groß. So waren z. B. die ersten zehn Schlitten des
Hornerrennens 1996 in Gunzesried nur um 82 Hundertstel Sekunden voneinander getrennt. Aber
auch die Gaudi wird groß geschrieben, welche man beispielsweise an den wilden
Hornersprüchen erkennt, die man spontan in die Menge schreit. Durchschnittlich starten
ca. 60 100 Herrenschlitten und ca. 10 Damenschlitten. Die Hornerteams fahren
ähnlich einer Meisterschaft bei 5 bis 10 Rennen pro Jahr mit. Die bis zu 4000 Zuschauer
bekommen hier Stürze als auch rasant um die Kurven schießende Hornerschlitten zu sehen.
Optisch erkennt man, daß hier ca. 70 % der Teilnehmer Schutzhelme und je nach
Vereinszugehörigkeit einheitliche Jacken tragen. Die Rennen des Internationalen
Allgäu-Cups und in Vorarlberg werden nach den Hittisauer Bestimmungen gefahren. Hier sind
in den letzten Jahren vor allem Teams aus Österreich (HC-Au, HC-Bregenzerwald) und der
HC-Siggen führend. Es werden bei diesen Rennen Spitzengeschwindigkeiten von 80 km/h
erreicht.
4.3. semiprofessionelle Rennen
Das Maß aller Dinge was die Professionalität angeht sind im Hornersport die Rennen
des Alpencups, Bündner Trophy und der Europameisterschaft. Auch hier kann man mit dem
Sport kein Geld verdienen, da es keine Preisgelder gibt. Mittels Sponsoren kann man jedoch
versuchen, die Unkosten abzudecken. Es gibt die Normal- und die Rennschlitten, welche
äußerlich nur bei näherer Betrachtung zu unterscheiden sind. Diese Schlitten jedoch
sind mit den originalen Schlitten von damals oder den in Punkt 4.1. und 4.2. verwendeten
Schlitten nicht vergleichbar. Es sind High-Tech-Schlitten, die bis zu 4500 DM kosten.
Gestartet wird nach IROVerordnung der FIL. Der Untergrund der Naturbahnen besteht
vollständig aus einer ca. 10 cm dicken Eisschicht. Die Teilnehmer der Mannschaften haben
Rennanzüge an, Spikes an den Schuhen und manchmal eine Wechselsprechanlage in den Helmen
des Lenkers und des Bremsers. So schießen diese Rennschlitten ins Ziel und fahren in den
Kurven wie auf Schienen. Der ultimative Kick sind die seit 1998 jährlich stattfinden
Hornschlittenrennen im Eiskanal auf der Bobbahn in St. Moritz für die sich nur die 15
Besten des Alpencups qualifizieren. Geschwindigkeiten bis 100 km/h werden erreicht. Die
Startbestimmungen in diesen Rennen sind sehr genau. Man benötigt eine FIL-Lizenz in der
folgende Sachen enthalten sein müssen:
- medizinische Untersuchung
- private Versicherungsbescheinigung
- Mitglied in einem Hornschlittenverein
- Mitglied im Landesverband (Deutscher Rennrodelsport auf Naturbahn im
DBSV)
- Startgenehmigung durch die FIL fürs Sportjahr
5. Fahrtechniken
Beim Hornschlittenfahren gibt es wiederum sehr viele Fahrtechniken. Wenn man die
Allgäu-Cup-Rennen (Hornschlitten für 2 Mann) betrachtet, kristallisieren sich 3
Fahrhaltungen heraus.
- Die herkömmliche Liegetechnik des Hintermanns. Sie ist veraltet, nicht mehr so
gebräuchlich und auch nicht richtig konkurrenzfähig. Der Vorteil ist der niedrige
Schwerpunkt (der Schlitten überschlägt sich nicht so schnell), der Nachteil ist der
geringe Bewegungsspielraum.
- Die übliche Sitztechnik des Hintermanns. 80 Prozent der Hinterleute sitzen auf dem
Schlitten oder legen sich zurück. Der Hintermann kann den Vordermann besser mit
Gewichtsverlagerung unterstützen, ohne daß der Schlitten seine Stabilität verliert.
- Die neuartige Stehtechnik des Hintermanns. Die Kufen des Schlittens sind hinten etwas
länger und mit Schrauben versehen. Der Hintermann steht auf diesen Kufenenden und hebt
sich an den Holmen. Mit dieser Technik kann er noch aktiver den Vordermann unterstützen.
Er ist aber mehr gefordert und muß ständig aufpassen, daß er nicht vom Schlitten
fliegt.
- Der Vordermann sitzt auf seinem erhöhten Sitz. In Kurven reißt er den Schlitten vorne
etwas hoch, oder er steht etwas auf und geht ein bißchen nach vorne, um den Schlitten
optimal in den Kurven zu kontrollieren. Der Fahrer bestimmt zum größten Teil mit seinen
Fahrkünsten die Fahrtrichtung, doch auch der Beifahrer (auch Helfer oder Bremser genannt)
trägt mit seiner Gewichtsverlagerung zum Kurvenfahren bei. Ist Bremsen erforderlich ,
reicht die Bremswirkung des Vordermanns in den meisten Fällen aus (Die Gleitschuhe mit
scharfen Kanten werden in den Untergrund gestemmt). In Notfällen gibt der Vordermann dem
Hintermann ein Zeichen (Schrei), und auch dieser krallt seine Schuhe in den Boden. Ganz
wichtig ist das Verständnis, die ´blinde Kommunikation` zwischen Vorder- und Hintermann.
6. Sicherheitsaspekte
6.1 Verletzungsgefahren
Die Schlittenfahrer fahren grundsätzlich auf eigenes Risiko. Der Veranstalter
übernimmt keine Haftung für Verletzungen der Fahrer. Sinnvoll ist es daher eine private
Unfallversicherung abzuschließen. Hornschlittenfahren ist kein ungefährlicher Sport. Die
Gefahrenquellen für eine Verletzung sind vielseitig. Hat man die Kontrolle über den
Schlitten verloren, ist man oft hilflos ausgeliefert. Dann kann sich der Schlitten
überschlagen, gegen feststehende Gegenstände (Bäume, Schutzzäune, Banden...) fahren
oder auch noch unbeteiligte Zuschauer mitreisen. Die Arten von Verletzungen reichen von
Schürfungen, Blessuren, Verstauchungen, Bänderdehnungen über Platzwunden am Kopf oder
Prellung bis hin zu Knochenbrüche, Wirbel- oder Kopfverletzungen (Gehirnerschütterung).
Wenn man aber bestimmte Punkte beachtet, läßt sich das Risiko einer Verletzung
minimieren:
- nicht unter Alkoholeinwirkungen fahren
- angemessene Schutzausrüstung tragen (auf jeden Fall einen Helm)
- dem Fahrkönnen und Erfahrung angemessene Fahrweise
- Gymnastik vor dem Start
6.2 Schutzausrüstung
Spezielle Schutzausrüstung fürs Hornschlittenfahren gibt es nicht, jedoch ist die
Schutzausrüstung der Motocross-Motorradfahrer ideal: Sturzhelm mit stabilem Visier bzw.
mit Skibrille, Rücken- und Brustprotektor oder vereint in einem Schutzanzug mit
Schulterschutz, Skihandschuhe und Gleitschuhe (umgebaute Skischuhe). Sinnvoll sind auch
Knie- und Ellenbogenschützer, feste Hosen und Jacken.
7. Ein Renntag
Für das Rennen in Wengen ist Treffpunkt um 9:30 Uhr bei Mayr´s ausgemacht. Während
wird die Kufen unseres Schlittens schleifen und wachsen trudeln nach und nach alle ein.
Die sechs Schlitten werden auf einen Autoanhänger aufgeladen und dann geht´s los. In
Wengen angekommen, wird die Startnummer abgeholt und noch eine Kleinigkeit gegessen. Heute
sind wir ausnahmsweise mal zeitig dran, so können wir ganz in Ruhe den Schlitten den Hang
hinauftragen und mit anderen Hornerfahrer ein "Schwätzchen" halten. Trotzdem
ist es anstrengend und geht ganz schön in die Arme. Mit Startnummer 65 haben wir noch
Zeit, uns die Strecke genauer anzuschauen und unsere Fahrt zu besprechen. Wir
beschließen, heute volles Risiko zu fahren, da uns die Strecke liegt und auch beste
Schneeverhältnisse vorliegen. Wir werden in unserem Vorhaben aber ein bißchen
verunsichert, da fast jeder 2-te Schlitten stürzt. Bei Startnummer 30 machen wir uns auf
den Weg zum Start. Die Startvorbereitungen laufen routiniert wie immer, fast schon
automatisch ab. Jeder Handgriff sitzt. Der Puls beginnt allmählich schneller zu schlagen,
Nervosität macht sich breit. Noch fünf Schlitten vor uns. Ich konzentriere mich noch
einmal auf mich, das Rennen und die Strecke. Mein Beifahrer ist nicht so introvertiert und
unterhält sich noch mit Clubkameraden. Doch jetzt wirds langsam ernst. Wir
besprechen noch einmal eine der Schlüsselstellen und schlagen uns wie vor jedem Rennen in
die Hände. Das ist ein Ritual das wir seit dem 1. Rennen vor 8 Jahren beibehalten haben
und uns Mut und Teamgeist gibt. Jetzt gibt der Starter das Kommando, aber gestartet wird
nach meinem Befehl. Zwei, eins und los. Ich zieh den Schlitten im Skatingschritt, mein
Beifahrer schiebt an und steigt dann elegant in den Schlitten. Der Start verlief ohne
Probleme und die Nervosität ist der Konzentration gewichen, die mich nur das Geschehen
auf der Strecke wahrnehmen läßt. Optische und akustische Reize außerhalb der Strecke
bekomme ich nur unbewußt mit. Jetzt beginnt die "Gratwanderung zwischen
Risikobereitschaft und Sicherheitsdenken, zwischen Können und Wollen". Wir sind gut
unterwegs, der Schlitten läuft schnell, und wir nehmen die ersten Kurven ohne größere
Probleme. Im Mittelquerstück werden wir ein bißchen nach unten getragen, was wir aber
mit Gefühl ausgleichen. Vor der unteren Schlüsselstelle müssen wir noch einmal
korrigieren, damit wir die Rechtskurve, in der sich davor eine tückische Welle befindet,
wie zuvor besprochen, richtig anfahren. Zuerst geschanzt, dann die Kurve genommen.
Geschafft!! Das hatten wir uns gedacht. Am Auslauf der Kurve, ich lehne mich gerade
zurück, stechen wir in eine Furche ein, der Schlitten fängt an zu kippen, ich kann
nichts dagegen tun, da ich in der Rückenlage keine Gegenwucht auf den Schlitten ausüben
kann. Auch mein Beifahrer hat die Kurve (und das Rennen) schon abgehakt und ist
überrascht. So fahren wir auf einer Kufe am Tor vorbei, was mir wie eine Ewigkeit
vorkommt. Wir stürzen, sind aber auch gleich wieder in Position und fahren weiter, den
Zielhang hinunter ins Ziel. Wir sind beide total frustriert nach diesem blöden Vorfall,
da wir sehr gut unterwegs waren. Mein Beifahrer wirft deshalb bei der Zieldurchfahrt
seinen Helm aus erster Erregung heraus in den Zielraum. Nach einer kurzen Zeit haben wir
uns wieder beruhigt und freuen uns mit ein bißchen Wehmut mit unseren Clubkollegen, die
diese Stelle besser nehmen und gute Plazierungen erreichen. Wir laden die Schlitten auf,
gehen zur Siegerehrung in die Festhalle und fachsimpeln. Später werden wir uns noch
gemeinsam das Video anschauen und uns manche Neckerei anhören lassen müssen.
8. Trainingsmöglichkeiten
Auch im Hornschlittenfahren wird schon seit Jahren für die Rennen trainiert. Man kann
dieses Training auch mit einem geselligen Sonntagnachmittag kombinieren. Trainingsstrecken
gibt es in Insiderkreisen genügend. Es sind meist richtige Rodelstrecken oder
Zufahrtswege zu Hütten, die im Winter nicht geräumt sind. Im Allgäu sind das z. B. die
Strecke bei der Gunzesrieder Säge, die Strecke zum Kranzegger Haus oder die Zufahrt zur
Drehhütte bei Füssen. Aber auch auf dem Hausberg beim Sulzberger Skilift, bei dem wir HORNADOS
jährlich unser Hornerschlittenrennen durchführen, wird trainiert.
9. Sozialer Aspekt
Beim Training kommt selbstverständlich der gesellige Teil nicht zu kurz. Nach dem
anstrengenden Hinaufziehen der Schlitten gönnt man sich gemeinsam in der Hütte eine
Ruhepause. Geselliges Beisammensein wird unter den Hornerschlittenfahrern sehr groß
geschrieben. Auch auf Rennen kommt man sich vor wie in einer großen Familie. Hier wird
keiner ausgeschlossen. Das gemeinsame Hobby verbindet, und es sind auch schon viele
Hornerfreundschaften über die Jahre entstanden. Darüber hinaus sind viele Hornervereine
auch im Sommer bei unterschiedlichen Veranstaltungen mit dabei. Bei Seilziehen,
Bajuwarenfünfkampf (Fingenhakeln, Bajazel auf, ...), Maibaumfest (mit eigenhändigem
Maibaumaufstellen), Fußballturniere, Triathlons u.v.a. trifft man sich wieder. Spaß,
Kameradschaft und Kampfgeist wird dabei immer groß geschrieben.
10. Organisation eines Rennens
Beim jährlich stattfindenden Sulzberger Hornerschlittenrennen (Intern. Allgäu-Cup),
das vom TSV Sulzberg und vom Hornerschlittenverein HORNADOS-Sulzberg durchgeführt
wird, herrscht Aufgabenteilung. So übernimmt der TSV größte Teile der Organisation
(Presse, Versicherung, elektronische Zeitmessung und Musik, Imbißstände ...), die HORNADOS
sind u. a. für die Strecke zuständig. Dazu gehört die Streckenführung,
Schutzmaßnahmen (Schutzbanden...) und dafür sorgen, daß die Rennteams ideale Pisten-
und Streckenverhältnisse vorfinden. Das erfordert viel Arbeit: Schon zwei Wochen vor dem
Rennen wird die Strecke ausgesteckt und mit der Pistenwalze abgefahren. Eine Woche davor
wird der Untergrund erstmals mittels Feuerwehrschläuche mit Wasser begossen und
anschließend mit Skier festgestampft. Das wird bei Bedarf ein zweites oder drittes Mal
gemacht. Am Tag vor dem Rennen helfen dann alle zusammen, damit unter der routinierten
Leitung des HORNADOS-Chefs Anton Mayr alles ideal für die große Veranstaltung,
bei der man 3-4 tausend Zuschauer erwartet, vorbereitet ist.
11. Umweltgedanke
Nach dem Rennen wird schon mit dem Abbauen der Tore, Imbißstände, Absicherungen,
elektr. Zeitmessung, Bauwägen usw. begonnen. Am Tag nach dem Rennen wird die Strecke
gründlich nach Abfällen durchsucht und entsorgt. Sobald der Schnee an diesem Hang
gewichen ist, wird nochmals gründlich aufgeräumt und die Holzbanden abgebaut. Der Hang
sieht danach wieder genauso aus wie davor. Es sind auch keine Schädigung der Grasschicht
durch die Schlittenkufen zu erkennen, da durch eine gute Pistenpräparation auch die
letzten Schlitten noch auf Schnee und nicht auf Gras und Dreck fahren. Darüberhinaus ist
der Hornschlitten als Sportgerät überaus umweltfreundlich. Er stoßt keine Schadstoffe
aus und wird aus Holz hergestellt (und wenn er zerstört ist, wird er im Holzofen
verbrannt). Die Natur wird in keinster Weise belastet, denn auch schon unsere Großväter
fuhren mit diesem Schlitten, als man noch gar nichts von Umweltverschmutzung
wußte.
Für mich persönlich ist Hornerschlittenfahren der optimale Wintersport,
Geschwindigkeitsrausch und Adrenalinkick ziehen dich in seinen Bann. Aber auch außerhalb
der Piste ist man durch und durch ein richtiger Hornerer geworden, ein Lebensgefühl, bei
dem noch Gemütlichkeit, Kameradschaft und Hilfsbereitschaft groß geschrieben werden.
Dies wird sehr schön durch das folgende Gedicht unseres Vereins beschrieben:
Hornar fahra isch unser Leaba,
Horner fahra, nix scheners kos geaba,
auf da Kopf d´Zipfel Kappa,
auf´m Buggel s´Horner Wappa.
D´Leaderhosa da Arsch nauf zoga,
d´Falla zua und gscheide Schua.
Horner her, jetzt isch a Rua.
Seit 1991 wird alljährlich im 2. Januarwochenende das Sulzberger
Hornerrennen veranstaltet. Auf der ca. 600 m langen
Strecke mit 150 Metern Höhenunterschied wird dann der Sieger
am Skilift Oberthannen ermittelt. Bei den Hornerfahrern gilt
das Sulzberger Hornerrennen als eines der anspruchvollsten
Rennen im Allgäu.
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